Der Kangal und sein Wesen
Man hat es mit einer sehr ursprünglichen Rasse zu tun, die im Laufe ihrer Entwicklung keine nennenswerte menschliche Aufmerksamkeit oder gar Zuneigung erfahren hat. Die Hunde arbeiten in der Türkei selbständig, unter minimaler Anleitung, und es liegt in ihrer Natur, Eigeninitiative zu entwickeln.
Sie werden in ihrer Heimat recht achtlos behandelt, kennen weder menschliche Zuwendung noch Ausbildung. Sie werden ausschließlich als Arbeitstiere genutzt.
Kangals sind wehrhafte, selbstbewusste Hunde. Sie sind intelligent und anpassungsfähig. Die Anforderungen, die solche Lebensumstände an die Tiere stellen, haben über Jahrhunderte hinweg eine Rasse entstehen lassen, die sich durch Härte, Selbständigkeit und Mut auszeichnet. In den Dörfern Anatoliens lebt der Kangal ohne Zwinger und Zäune. Hunde, die sich übermäßig aggressiv gegenüber Menschen (vor allem Kindern) oder Nutztieren (Geflügel, Pferde, Rinder, Schafe) verhalten, werden nicht toleriert und getötet.
 - c. by G. Hauser
Die Reviergrenzen sind unsichtbar, und kein Hund kommt dem anderen in die Quere. Sie sind sehr instinktsicher in ihrem Sozialverhalten. Zur Kampfhandlungen mit Wölfen und anderen Raubtieren kommt es in der Türkei nur sehr selten. Der Kangal hat eine angeborene Verteidigungsbereitschaft und gibt sich meistens damit zufrieden, seine Feinde in die Flucht zu schlagen.
Der Kangal ist ein ruhiger, ausgeglichener, stolzer und selbstsicherer Hund, der ohne unnötige Aggressivität äußerst zuverlässig alle ihm anvertraute Menschen und Besitztümer beschützt.
Er muss erst vorsichtig an Fremde herangeführt werden. Er verhält sich neutral und beobachtet sie aufmerksam, wird allerdings keine große Vertraulichkeiten von ihnen tolerieren. Kangals sind keine Angreifer - sie sind zuverlässige Verteidiger!
Ausgewachsen ist der Kangal mit etwa zweieinhalb Jahren, doch seine volle Reife erreicht er erst mit vier Jahren. Erst nach und nach entwickeln sich seine Beschützerinstinkte. Nicht wenige Halter sind erstaunt und meistens unvorbereitet auf die drastische Veränderung seines Wesens, die mit etwa eineinhalb Jahren eintritt.
Trotz allem ist der Kangal ein sensibler Hund und braucht lange um die Zuneigung die er erfährt auch anzunehmen. Diese Riesen genießen für eine kurze Zeit Aufmerksamkeiten, ziehen sich dann aber sehr schnell wieder zurück, um ihrer liebsten Beschäftigung nachzugehen: dem Wachdienst.
Es gibt nichts Oberflächliches oder Überflüssiges im Leben eines Kangal, so als ob er all seine Energie für den einen Moment aufsparen würde, wo er Besitz und Familie zu verteidigen hat - wenn es sein muss, unter Einsatz seines Lebens.
Er bildet in unsere technikorientierten und geschichtsvergessenen Zeit ein Korrektiv. Menschen, die ihr Leben Seite an Seite mit einem Kangal verbringen, werden ein Stück uralter Geschichte erleben, einen Hund von archaischer Urkraft mit all jenen Eigenschaften, die seine Vorfahren auszeichneten.
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