Der Kangal und seine Haltung
Es bedeutet eine sehr große Verantwortung, einen Kangal in unserer dicht besiedelten Gesellschaft zu halten! Der Kangal ist sehr intelligent, selbstbewusst und unabhängig.
Das alles, gepaart mit seiner angeborenen Dominanz, macht seine Ausbildung nicht gerade leicht. Frühe Sozialisierung, eine eindeutige Rangordnung und Gehorsamkeitsausbildung sind absolut notwendig. Um dieses Ausbildungsziel zu erreichen, braucht man unendlich viel Geduld, Zeit und Konsequenz.
Übertriebene Härte hingegen ist gänzlich zu vermeiden, denn ein Kangal lässt sich nicht unterdrücken. Er könnte dann, aus der defensive heraus nach vorne angreifen. Vertrauen und innere Autorität überzeugen ihn mehr, und wenn sie erst einmal seine Liebe und Respekt errungen haben, wird der Kangal (fast) alles für Sie tun.
 - c. by J. Rosenkranz
Der Kangal besitzt einen relativ starken Jagdtrieb. Er ist in seiner Heimat zum größten Teil auf Selbstversorgung angewiesen. Dabei wird er sich allerdings nie weit von seiner Herde entfernen. Tiere, auf die er als Welpe geprägt wurde, wird er stets beschützen.
Der Kangal spielt selten, für "Stöckchenwerfen" oder "Ball holen" hat er keinen Sinn. Dafür gräbt er leidenschaftlich gern tiefe Löcher!
Er ist sehr genügsam, was Futter und Pflege betrifft, ist von Natur aus sehr sauber und hat eigentlich wenig "Hundegeruch". Zweimal im Jahr haart er. Nur die stärksten Tiere können die extremen Bedingungen, unter denen sie in der Türkei leben, überstehen und sich fortpflanzen. Deshalb gibt es für diese Tiere auch keine rassespezifischen Erbkrankheiten. Der Kangal ist ein in sich ruhender Hund, geduldig und umgänglich mit allen ihm anvertrauten Menschen, Kinder und Tieren.
Infolge seiner ungewöhnlichen Größe und Stärke kann er im Spiel mit Kindern recht rau sein. Wieder und wieder muss daran erinnert werden, dass der Kangal kein sanfter Riese ist und erst recht kein Kinderhund.
Er benötigt einen großen Garten mit einem sehr hohem Zaun, da er als aktiver Arbeitshund viel Bewegung braucht. Außerdem braucht er tolerante Nachbarn, die es ihm verzeihen, wenn er des öfteren seine tiefe, dröhnende Stimme erhebt. Bewachen ist für den Kangal eine Leidenschaft. Vor allem bei Dämmerung und Dunkelheit. Er wird sich ganz sicher den besten und höchsten Aussichtpunkt auf dem Grundstück aussuchen um alles im Blick zu behalten.
Von einer Zwingerhaltung ist dringend abzuraten. Zusätzlich braucht der Kangal ausgedehnte Spaziergänge. Aber Vorsicht! Mit fremden Hunden versteht er sich in der Regel überhaupt nicht, und wegen seiner Kraft und Entschlossenheit darf man ihn niemals außer Kontrolle geraten lassen. Er soll schon als Welpe den Umgang mit vielen verschiedenen Menschen und Hunden kennenlernen, sich auch bei Anwesenheit des Besitzers von Fremden berühren lassen (Zähne anschauen etc). Das ist sehr wichtig wenn z.B. der Besuch beim Tierarzt ansteht , Gäste kommen oder er mal an einer Hundeausstellung teilnehmen soll.
Man muss sich immer wieder vor der Anschaffung eines Kangals vor Augen führen, dass man die Verantwortung für dieses Tier ungefähr 14 lange Jahre hat. Langfristige Planung ist also zwingend!
Die artgerechte Unterbringung und Haltung des Kangals erfordert einige wichtige Voraussetzungen. Als erstes brauchen Sie:
Viel Platz
Der Kangal ist ein Arbeitshund. Er ist seit Jahrtausenden gezüchtet worden, um die Schafsherden in den endlosen Hochplateaus Anatoliens zu begleiten und zu beschützen. Die Schafswanderungen sind nicht schnell, aber dafür stetig. Natürlich kann man unsere urbane Welt nicht mit türkischen Yaylas ( = Weideland) vergleichen, aber das Territorium, das ein Kangal benötigt, muss schon groß genug sein, um seine Bewegungs- und Wachbedürfnisse zu befriedigen. Er braucht seine täglichen ausgedehnten Spaziergänge, vor allem für seine psychische Ausgeglichenheit und Stabilität.
Das Grundstück soll natürlich gut gesichert sein. Kangals betrachten alles, was sie sehen, als eigenes Territorium und verteidigen es auch vehement. Ein Zaun ist höchstens ein Hindernis und keine Grenze. Kangals sind Ausbruchskünstler, so das ein sicherer Zaun entsprechend hoch und tief eingegraben sein muss.
Außerdem haben Kangals ihre ureigene Vorstellung von Gartengestaltung und lassen sich kaum eines Besseren belehren. Wenn jemand Wert legt auf einen gepflegten Garten, der nicht wie ein Golfplatz für Hunde aussieht (mit mindestens 18 Löchern!) - der soll sich keinen Kangal anschaffen. Blumenbeete, Teichrosen etc. finden bei Kangals auch überhaupt keinen Anklang und werden kurzerhand eliminiert. Büsche überleben bei Rüden kaum, bei Hündinnen ist es der Rasen.
Ein Kangal muss eine Aufgabe haben, die ihn erfüllt. Bewachen ist seine Leidenschaft. Der Kangal ist aber kein Einzelgänger! Er wird nur mit seinem Rudel bzw. seinen Schützlingen zufrieden sein. Er braucht seine Menschen, seine Bezugsfamilie, woraus immer sie sich zusammensetzt.
Ein Kangal ist kein guter Wachhund, wenn er allein irgendwo gehalten wird. Er sehnt sich nach einer engen Bindung zu "seinem" Menschen. Wenn er zum Beispiel allein auf einem Schrottplatz oder einer Werkstatt gehalten wird, wird er sich auf jeden Fremden freuen, die ihm Aufmerksamkeit schenken. Oder er wird versuchen, auszubrechen - Objektbewachung ist absolut nicht sein Ding.
Der Kangal ist sehr robust und Wetter unempfindlich. Er ist gern draußen, vorausgesetzt, er hat auch eine große trockene Hütte, die ihn vor Regen, Wind, Schnee, Sonne etc. schützt. Er muss aber auch immer Kontakt halten können zu seinen Menschen im Haus und nachprüfen dürfen, ob alles dort seine Ordnung hat. Eine reine Haltung im Garten ist nicht zu empfehlen.
Tolerante Nachbarn
Der Kangal ist vor allem nachtaktiv, das heißt, bei Dämmerung steigt seine Wachsamkeit und er bellt viel und sehr laut. Nachbarn, die sich dadurch gestört fühlen, könnten die Haltung eines Kangals unmöglich machen.
Viel Zeit und Geduld
Man muss sich sehr viel und intensiv mit einem Kangal beschäftigen. Er ist absolut kein "Feierabend-Hund" und darf nicht für längere Zeit unbeaufsichtigt bleiben. Er ist schwierig in der Erziehung, und man muss immer wieder mit ihm üben. Die Sozialisierung ist auch eine sehr zeitraubende Angelegenheit, die man nicht vernachlässigen darf.
Urlaub oder gar seinen Kangal einige Tage zu Hause mit Fremden alleine lassen, führt schon zu größeren Schwierigkeiten. Der Kangal lässt sich nicht von Fremden leiten. Einen Kangal einem Unbekannten anzuvertrauen ist schlichtweg unverantwortlich.
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