Erziehung des Kangals
Der Kangal ist eine selbstbewusste, dominante und eigenwillige Hunderasse. Seine Erziehung verlangt viel Feingefühl, Geduld und Erfahrung. Man kann einen Kangal nicht unterdrücken, wie es bei anderen Gebrauchshunden manchmal üblich ist . Ein Kangal lässt sich nichts gefallen. Alles, was man erreichen möchte, bekommt man nur durch Vertrauen und Konsequenz.
Es gibt viele gute Bücher, Hundeausbilder und gute Hundeschulen, die sich mit positiver Motivation in der Hundeerziehung befassen. Klicker Training beispielsweise hat sich bei Kangals (manchmal) bewährt.
Die eigentliche Erziehung fängt schon bei der Mutterhündin an. Sie wird ihren Welpen in der Prägephase ihr eigenes Weltbild vermitteln. Ist die Mutter durch schlechte Sozialisierung oder Erfahrungen unsicher, ängstlich oder misstrauisch, werden es die Welpen auch sein.
Deswegen ist es sehr wichtig wenn man sich einen Welpen zulegen möchte, dass man genau die Kangal-Mutter und ihr Umfeld beobachtet. Die Hündin muss Selbstvertrauen haben, aber auf keinen Fall aggressiv sein, muss gelassen und vertrauensvoll ihren Menschen gegenüber zugewandt sein. Nur dann werden sich die Welpen auch in ihrer zweiten Lebensphase, der Sozialisierungsphase, entsprechend entwickeln.
 - Onur Kanli und Karabash
Alle Kangal-Welpen sind süß und verspielt. Sie lernen schnell, sind freundlich und lieb zu jedem und allem. Kleine Dominanzansätze sind schnell und einfach in den Griff zu bekommen. Viel Lob für das erwünschte Verhalten bringt weit mehr als eine Strafe für ein unerwünschtes Verhalten. Das sofortige Ignorieren des Welpen oder die abrupte Unterbrechung eines Spiels kann als Strafe sehr wirksam sein - wenn man den Welpen dann gleich wieder lobt für das richtige Verhalten.
Alles läuft ziemlich problemlos, man könnte fast glauben, dass es so bleiben wird. Aber Kangals ändern sich. Ausnahmslos! Mit Einsetzen der Pubertät.
Kangal-Besitzer sollten vorbereitet sein auf die drastische Veränderung ihre Hunde im Alter von ungefähr 15 Monaten. Mit Einsetzen der Pubertät fangen auch die Dominanzprobleme richtig an. Da ist Geduld, Konsequenz und sehr viel Sinn für Humor verlangt. Ähnlichkeiten mit pubertierenden, menschlichen Pendants, sind nicht rein zufällig!
Ein erwachsener Kangal, der gut sozialisiert und erzogen ist, hat mit fremden Menschen keine Probleme. Er wird aber mehr und mehr Dominanz gegen andere, fremde Hunde des gleichen Geschlechts entwickeln und es auch zeigen. Zu diesem Zeitpunkt darf man seinen Kangal nicht mehr aus den Augen lassen. Er muss leinenführig sein und die gängigen Kommandos sicher befolgen.
Viele junge Kangals sind gerade an der Leine ungestüm, wenn sie anderen Hunden begegnen. Die Leine, Bindeglied zum Hundeführer, verleiht ihnen noch extra Rückendeckung und Selbstbewusstsein. Hunde provozieren sich gegenseitig indem sie sich mit den Augen fixieren. Es entstehen dadurch eskalierende Agressionen. Schnell, einfach und sanft kann man diese Situation vermeiden, den optischen Reiz, in dem man ein Halti oder noch besser ein Gentle leader benutzt.
Durch seinen eigenständigen und eigenwilligen Charakter wird der Kangal nie wirklich zuverlässig gehorchen, so dass man immer im voraus denken muss, um schwierige Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen.
Trainieren Sie immer wieder, dass Ihr Kangal seine Aufmerksamkeit auf Sie richtet. "Kommunizieren" Sie mit ihm! Es fördert die Bindung, setzt klare Führungsansprüche, stellt Regeln und Strukturen fest. Diese Interaktionen brauchen nicht viel Zeit in Anspruch zu nehmen und sollen dem Hund auch Spaß machen. Ein "Sitz" oder "Platz" vor den Mahlzeiten oder wenn man die Haustür aufmacht, ein kleines Spiel bevor man einen Park voller Hunde betritt, können schon sehr wirksam sein. Ihr Hund wird Sie respektieren, wenn er eine vertrauensvolle Bindung zu Ihnen aufgebaut hat.
Diese kleinen Trainingseinheiten müssen immer wieder und mit allen Familienmitgliedern geübt werden.
Kangals sind von Natur aus sehr menschenfreundlich, geduldig und tolerant. In der Türkei leben diese Hunde frei in den Dörfern, und niemand kann sich leisten, dass sein Hund jemanden anknurrt oder sogar beißt. Vor allem Kinder und Frauen nicht. Kangals, die das tun, werden auf der Stelle getötet.
In den Dörfern Anatoliens sind die Menschen aufeinander angewiesen, die Gemeinschaft ist sehr wichtig. Diebstahl ist ein Fremdwort. Kangals beschützen die Herden vor Raubtieren - und sehr selten vor Menschen.
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